13. Juni 2011, von Cornelia Willi
Ausgangslage
Wir Menschen befinden uns stets in einem Spannungsfeld von Verbundenheit und Wachstum. Einerseits wollen wir das Bestehende bewahren und beim Bestehenden bleiben, andrerseits drängt es uns, weiter zu gehen und uns weiter zu entwickeln. Diese beiden Pole sind phasenweise im Gleichgewicht.
In diesem Spannungsfeld ergeben sich Bedürfnisse nach Verbundenheit, die Richard Erskine (Zeitschrift für Transaktionsanalyse, 4/2008) Beziehungsbedürfnisse nennt und sie wie folgt auflistet:
Beziehungsbedürfnis nach Sicherheit
Wir brauchen das sichere Gefühl, physisch und emotional vor Verletzungen geschützt zu sein. Wir möchten uns so zeigen können, wie wir sind, verletzbar und doch verbunden mit anderen.
Eine mögliche Reaktion auf dieses Bedürfnis liegt in der respektvollen und nicht beschämenden Haltung, der Grundhaltung „Ich bin ok – du bist ok“. Das äussert sich in bedingungsloser Wertschätzung. Daraus kann Sicherheit in der Beziehung entstehen.
Beziehungsbedürfnis nach Wertschätzung/ Bestätigung
Wir brauchen das Gefühl, wertgeschätzt und bedeutsam zu sein. Es geht darum, dass wir uns angenommen und anerkannt fühlen in unseren Beziehungsbedürfnissen.
Durch die Art, wie wir nachfragen und durch unsere volle Präsenz zeigen wir dem anderen, dass wir ihn wertschätzen. Dies ist eine notwendige Voraussetzung für dauerhafte Verhaltensänderung.
Beziehungsbedürfnis nach Schutz
Wir brauchen das Gefühl, von vertrauenswürdigen Personen angenommen und verlässlich behandelt zu werden. Wir möchten uns mit einer verlässlichen Person identifizieren können und zugleich spüren, dass wir darin nicht ausgenützt werden.
Das kann sich darin äussern, dass uns diese starke Person Einhalt gebietet und so vor Übertreibung und Idealisierung schützt.
Beziehungsbedürfnis nach Bestätigung persönlicher Erfahrung
Wir brauchen das Gefühl, dass wir unsere persönliche Erfahrung von einer anderen Person bestätigt bekommen. Es ist der Wunsch nach Gegenseitigkeit, nach einem gemeinsamen Stück Weg mit einem Menschen, der ähnlich ist wie wir selbst.
Durch das Mitteilen von sorgfältig ausgewählten eigenen Erfahrungen können wir unserem Gegenüber die persönliche Erfahrung bestätigen.
Beziehungsbedürfnis nach Selbstdefinition
Wir möchten als einzigartig angesehen und verstanden werden. Selbstdefinition ist das Offenbaren der selbst gewählten Identität, indem man Vorlieben, Interessen und Ideen äussert, ohne dafür Erniedrigung oder Ablehnung zu erfahren.
Das kann sich dadurch äussern, dass wir Verständnis zeigen für die Andersartigkeit unseres Gegenübers, indem wir unterschiedliche Sichtweisen, Meinungsverschiedenheiten und den Ausdruck der Persönlichkeit zulassen.
Beziehungsbedürfnis nach Effekt beim anderen
Wir brauchen das Gefühl, beim anderen Aufmerksamkeit und Interesse zu bewirken. Sich in einer Beziehung als kompetent zu fühlen, zeigt sich in Aktiv-Sein und Wirkung haben.
Wir können uns auf dieses Beziehungsbedürfnis einstimmen, indem wir uns berühren lassen.
Beziehungsbedürfnis nach Initiative des andern
Wir möchten wichtig sein für den anderen und erleben, dass der andere von sich aus auf uns zukommt und Initiative ergreift.
Das können wir unserem Gegenüber zeigen, indem wir aktiv auf ihn zugehen und den Kontakt von uns her gestalten.
Beziehungsbedürfnis nach Ausdruck von Liebe
Wir möchten unsere Liebe ausdrücken; sei es durch danken, Zuneigung schenken, etwas für den anderen tun.
Indem wir diese Zeichen annehmen und wertschätzen, tragen wir diesem Bedürfnis unseres Gegenübers Rechnung, ohne Angst haben zu müssen, dass wir manipuliert werden.
Alle diese Beziehungsbedürfnisse können wir auch uns selbst gegenüber wahrnehmen und ihnen Rechnung tragen. Es stärkt unsere „ich bin ok-Haltung“. Das ist die Voraussetzung für gesunde Beziehungen mit unserem Gegenüber.